«Sobald Sie mit jemandem reden, beginnt oft schon die Heilung» | Erich Seifritz

Shownotes

ADHS tritt im Erwachsenenalter selten für sich allein auf. Viele Betroffene kämpfen zusätzlich mit Depressionen, Angststörungen oder Suchtproblemen – oft ohne zu wissen, wie eng diese Erfahrungen miteinander verknüpft sind. In dieser Folge spricht Thomas Meyer mit Prof. Dr. med. Erich Seifritz, Direktor der Erwachsenenpsychiatrie und Psychotherapie an der Psychiatrische Universitätsklinik Zürich, über das Zusammenspiel von ADHS und psychischen Begleiterkrankungen.

Dieser Wissenspodcast ist dank der wertvollen Zusammenarbeit mit der Takeda Pharma AG und der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich möglich.

Moderation: Thomas Meyer Eine Produktion von FatzerImbach AG www.fatzerimbach.ch

C-ANPROM/CH/ELVA/0004_03/2026

Transkript anzeigen

00:00:00: Hallo!

00:00:01: Ich bin Thomas Meyer, Vater, Autor, Lehrer und von ADHS-Betroffener.

00:00:08: Bis zu meiner Diagnose verstand ich nicht, warum mir gewisse Dinge so schwerfallen und andere dafür leicht.

00:00:14: Zum Beispiel schiebe ich alles bis zum letzten Moment auf und begeister mich ständig für etwas Neues.

00:00:21: Mit dieser Podcastreihe versuche ich herauszufinden was hinter ADHS genau steckt.

00:00:27: Im Gespräch mit Fachleuten erfahre ich, wie Betroffene groß und klein funktionieren und wie uns geholfen werden kann.

00:00:36: Danke dass Sie hier sind und zuhören!

00:00:39: Hier sitze ich für die dritte Episode bei Herrn Erich Seifritz dem Direktor für Erwachsenen Psychiatrie und Psychotherapie an der PUC hier oben im Balgrist.

00:00:52: Guten Tag Herr Seifritz.

00:00:56: Sie fühlen sich noch nicht ganz so wohl mit dem Gespräch, habe ich gemerkt.

00:01:00: Was kann ich tun damit sie sich wohler fühlen?

00:01:03: Wir sind nicht im Balkrist sondern wir sind an der Lenkstraße und das Gebiet hier heißt auch Bo Kölzli.

00:01:16: Vorhin an der Bushaltestelle stand Ballgrist.

00:01:19: Ich probiere es mal.

00:01:20: Das ist auch in Ordnung,

00:01:21: aber wir sind hier in Ihrem Büro.

00:01:23: Wir sind hier im großen Spitalklaster nebenan.

00:01:27: Ist das ein Kinderspital?

00:01:29: Das neue, das Ballgrissspital ist in der Nähe und Schultesklinik Hirslanden die Epilepsieklinik.

00:01:38: also sind sehr viele Kliniken hier um die Psychiatrie herum entstanden.

00:01:44: Das ist eigentlich noch ein interessantes Phänomen.

00:01:47: Was war der Anfang?

00:01:49: Die psychiatrische Klinik.

00:01:51: Nein, weil früher hat man die psychiatrischen Kliniken außerhalb der Städte gebaut.

00:01:56: Weit außerhalb vom Zentrum und das war auch hier in Zürich der Fall.

00:02:03: aber weil die Stadt gewachsen ist und immer mehr Platz beansprucht hat sind dann auch ist im Grunde genommen die Stadt um dass um die psychiatrische Klinik herumgewachsen.

00:02:13: Sie hat

00:02:14: die Psychiatrie eingeholt?

00:02:15: Hat sie nicht

00:02:16: eingeholt, ist noch ein schönes Phänomen.

00:02:20: Um dabei zu bleiben, das haben wir früher gemacht ... um die Kranken aus der Stadt draußen zu haben.

00:02:26: Genau!

00:02:27: Das gab

00:02:27: ja auch das Siegchenhaus.

00:02:29: Die wollte ich mir auch nicht drinhaben.

00:02:33: Denken Sie, das ist ganz verschwunden dieser

00:02:35: Apfelbeflext.

00:02:35: Nein leider nicht, aber sich sicher besser als es früher war.

00:02:40: Also heute würde man eine psychiatrische Klinik nicht mehr außerhalb des Zentrums bauen.

00:02:49: Aber sie sprechen natürlich einen Punkt an, also die psychischen Erkrankungen leiden unter einem sogenannten Stigma und einer Ausgrenzung.

00:03:00: Psychische Erkranken haben einen etwas anderen Stellenwert als körperliche Erkankungen obwohl sie medizinisch Erkrankungen sind.

00:03:13: Und da wird auch viel unrecht getan gegenüber psychischen Erkankungen, aber auch gegenüber Betroffenen von psychischen erkranken Patienten und Patientinnen.

00:03:26: Da arbeiten wir täglich daran um diese Benachteiligung oder diese Stigmatisierung oder eben eine Ausgrenzung zu reduzieren.

00:03:38: Woher kommt sie?

00:03:39: Wieso hält sie sich so beharrlich?

00:03:42: Ja, das ist eine sehr gute Frage.

00:03:43: Das ist eine schwierige Frage die lässt sich auch nicht einfach beantworten.

00:03:51: Auf der einen Seite ist es so dass viele psychische Erkrankungen über die wir heute sprechen Depression und ADHD oder ADHS sind schwierig zu sehen.

00:04:07: also sie sind es gibt keine.

00:04:11: Man kann nicht ein Röntgenbild machen von dieser Erkrankung.

00:04:14: Man kann keine Apparatur ansetzen, wo man diese Erkrankung irgendwie sehen würde wie zum Beispiel einen Knochenbruch oder eine Lungenentzündung die eine Veränderung im Röngenbild verursacht z.B.

00:04:31: Oder eine Blutdruckveränderung, auf einer Apparatur eine unterschiedliche Zahl sehen könnte.

00:04:41: elektro-kardiografische Untersuchung, wenn man die Funktion des Herzes zum Teil abbilden kann.

00:04:47: Es gibt es in der Psychiatrie fast nicht oder praktisch nicht?

00:04:50: Das heißt das geht um Glaubwürdigkeit?

00:04:52: Nein, es geht darum dass sozusagen die Erkrankung sich sehr stark definiert durch die geschilderten Symptome der Betroffenen.

00:05:04: also wenn sie jetzt eine Diagnose einer Depression stellen dann müssen sie sich sozusagen auf die Schilderung der betroffenen Personen verlassen können.

00:05:21: Sie haben wenig, sozusagen objektive oder eben operativ messbare Parameter oder Veränderungen diese sozusagen stellvertretend für die geschilderte Symptomatik nehmen könnten.

00:05:45: Das ist etwas wie, wenn Sie eine Herzerkrankung haben.

00:05:51: Dann sagt Ihnen der Patient vielleicht, ich habe einen Schmerz auf der Brust und das war vor ... Also da würde man sich sozusagen auf die geschilderte subjektive Empfindung der betroffenen Personen verlassen müssen.

00:06:08: Heutzutage kann man eben ein EKG oder einen Elektro-Kardiogramm durchführen Echokardiografische Untersuchungen machen, man kann ein Röntgenbild machen.

00:06:19: Man kann den Blutdruck messen und Veränderungen im Blut messen.

00:06:26: Und die erlauben dann sozusagen diese Symptomatik näher einzugrenzen und näher zu definieren und nähr zu spezifizieren was die Person oder was die Erkrankung ausmacht.

00:06:42: In der Psychiatrie sind wir noch etwas entfernt von dem.

00:06:45: Aber was hat das für einen Zusammenhang mit der Stigmatisierung?

00:06:48: Es ist ja nicht die fehlende Apparatur,

00:06:50: die das vorsagt.

00:06:51: Doch auch!

00:06:51: Nicht nur aber auch inwiefern.

00:06:54: Ja weil wenn Sie jetzt zum Beispiel eine Depression diagnostizieren dann wird Ihnen der Patient oder die Patienten sagen ich habe Mühe oder ich fühle mich niedergeschlagen.

00:07:13: Da wird jede Person, jeder Zuhörer wird sagen ja ich fühle mich auch ab und zu niedergeschlagen.

00:07:18: Das sind Symptome das kennen alle.

00:07:21: oder sie sagen zum Beispiel Ich habe Mühe mich zu konzentrieren.

00:07:25: Das ist etwas was haben alle Ab und Zu?

00:07:28: haben wir nicht etwas Mühe sich zu koncentrieren?

00:07:30: da sind keine Symptomen die wirklich schwarz-weiß verhandeln sind oder nicht, sondern es ist praktisch wie ein Spektrum von Beschwerden und Subjektiven der eigenen Befindlichkeit.

00:07:54: Und sozusagen zu beurteilen ob das jetzt bereits Krankheitswert hat oder nicht ist eine sehr schwierige und komplexe Aufgabe.

00:08:08: Was trägt denn noch zur Stigmatisierung bei?

00:08:11: Nebst die so

00:08:12: Plausibilität-Fragen ... Ja, genau.

00:08:14: Die Abgrenzung von was ist eigentlich noch normalpsychologische Variation sozusagen und wo fängt die Krankheit an?

00:08:23: Denn anderer Punkt ist auch das, weil die Symptomatik objektiv schwer zu verifizieren ist, ist sozusagen für den Beobachter die Abgrenzung zwischen, dass eine Person sich einfach ein bisschen anstrengen könnte und dann wäre die Symptomatik weg.

00:08:48: Das ist sehr schwierig voneinander zu unterscheiden.

00:08:57: Eine weitere Begründung oder Ursache für diese Stigmatisierung ist das bei bestimmten psychischen Erkrankungen.

00:09:04: Da sind weniger Depressionen zum Beispiel psychotische Erkankungen wo die Betroffenen Patienten und Patientinnen die Realität anders warme eben als gesunde Menschen, die zum Beispiel Warnsymptome entwickeln.

00:09:25: Die die Realitäten anders sehen, die zB auch Halluzinationen entwickeln.

00:09:30: das sind Phänomene die auch von außen gesehen etwas unheimlich wirken Und dieses Unheimliche ist etwas was auch Ängste verursachen kann.

00:09:43: Also die eine gesunde Beobachterperson ja ist verunsichert durch diese Symptomatik, wie nichts damit anfangen oder dieser Symptomatik löst auch ängste aus zum Beispiel.

00:10:04: Eine weitere Ursache für diese Stigmatisierung ist zum Beispiel, dass die Personen sich verändern und man versteht gar nicht so richtig warum.

00:10:12: Ist die Person jetzt anders?

00:10:14: Die hat ja früher vor einer Woche oder so hat sie anders reagiert als sie jetzt.

00:10:18: Ich kenne die Person nicht mehr.

00:10:20: Sie hat sich verändert.

00:10:21: Sie hatte einen anderen emotionalen Kontakt.

00:10:24: Sie funktioniert kognitiv anders.

00:10:29: Das ist übrigens eine große Herausforderung für die Angehörigen von psychisch kranken und das sind Gespräche, die wir dann mit den Angehöhrungen nachführen im Sinne einer Psycho-Education oder indem wir ihnen versuchen zu erklären wie man diese Veränderung der Person überhaupt Ja, wie man mit der umgehen soll.

00:11:00: Wie kann man die einordnen in eine Beziehung?

00:11:05: Also geht es hier vielleicht weniger um eine Stigmatisierung im Vorgang einer Ablehnung im klassischen Sinn sondern vielmehr um Verunsicherung.

00:11:15: Das ist

00:11:15: eine gute Zusammenfassung und ich glaube die Verunsicherungen sind eine der Quellen für die Stigmatisierung.

00:11:22: was einen verunsichert, was ein etwas Ängste auslöst ist.

00:11:25: Das ist etwas, das man eigentlich lieber nicht bei sich hat und deswegen versucht man sozusagen, dass irgendwie von sich zu distanzieren oder von sich fernzuhalten.

00:11:37: Ist es etwas, was Ihnen häufig begegnet?

00:11:40: Dass eine Abwehrbewegung entsteht?

00:11:43: denn ich habe das nicht erlebt während meiner Depression.

00:11:46: da hab ich ausschließlich Anteilnahme Und für Sorge erlebt natürlich auch Angst um mich.

00:11:53: Aber ich habe keine Stigma-Erfahrung gemacht, behaupte ich.

00:12:00: Also wir erleben das täglich ... Wir erleben es täglich auch bei Depressionen.

00:12:05: Die Depression ist vielleicht weniger häufig aber die Verunsicherung oder ich sage jetzt mal depressive Symptome sind sehr breit und sehr unterschiedlich.

00:12:18: Die Person hat ein unterschiedliches Muster von Symptomen.

00:12:23: Und es gibt aber Symptome von Depressionen, die in Richtung gehen, dass man sich abgrenzt und den sozialen Kontakt vermeidet.

00:12:35: Dass man weniger sich für andere Personen interessieren kann, weil man gar nicht mehr ... Energie oder die Kapazität hat sich für andere zu interessieren.

00:12:50: Und wenn die Angehörigen das nicht als Symptom der Erkrankung verstehen, sondern als misfallisch interpretieren, als Ablehnung ... Ja, Herr Meier interessiert sich nicht mehr für mich.

00:13:07: Der will mit mir gar nicht mehr sprechen und sie nehmen das persönlich dann ist wird es als Aplehnung empfunden.

00:13:14: Was sagt die Psychoeducation dazu?

00:13:16: Die Psycho-Education würde dazu sagen, schauen Sie mal.

00:13:20: Eine Depression ist unter anderem damit verbunden dass die betroffene Person gar nicht mehr die Energie oder die Kapazität hat sich sozial mit einer anderen, mit ihrem Gegenüber wirklich auseinanderzusetzen.

00:13:42: Die Person ist mit sich selber so beschäftigt, dass sie gar keine Möglichkeit hat, sich mit anderen zu beschäftigen.

00:13:49: Aber das wird verstanden, nehme ich an?

00:13:52: Ja aber das müssen Sie ja nicht einfach so automatisch.

00:13:57: Wenn Sie mit Angehörigen sprechen vor allem in der Anfangsphase und die sagen Ihnen schauen Sie ... Der Mann hat sich von mir abgewendet zum Beispiel auch hat weniger Sexuelles Interesse entwickelt zum Beispiel.

00:14:16: Da war ich am Anfang verunsichert, ja was ist, versteht er dahinter?

00:14:20: Ist da vielleicht wie eine dritte Person im Raum?

00:14:24: oder was sind die Ursachen?

00:14:25: und bin ich nicht mehr attraktiv?

00:14:27: Bin ich interessierig?

00:14:28: Bin Ich nicht mehr von genügendem Interesse

00:14:30: usw.?

00:14:33: Das sind Dinge, die können Sie korrigieren mit einer Erklärung über das Wesen und die Natur dieser Erkrankungen.

00:14:41: Man nennt es eben Psycho-Educationen.

00:14:45: Warum hängt das denn so stark zusammen, ADHS und Depression?

00:14:51: Also man weiß aus epidemiologischen Untersuchungen auch Studien, die eben sozusagen Krankheitsverläufe über einen längeren Zeitraum untersucht haben dass Menschen, die eine ADHS-Erkrankung haben ein höheres Risiko haben, später oder gleichzeitig eine depressive Erkrankung zu entwickeln.

00:15:13: Das sind sozusagen einfach Beobachter.

00:15:15: um die kann man.

00:15:16: das kann man wissenschaftlich untersuchen.

00:15:20: Warum dass diese beiden Erkankungen häufig miteinander vorkommen?

00:15:24: Kann unterschiedliche Ursachen haben und da gibt es im Grunde genommen zwei Kategorien von Ursachen.

00:15:32: Die eine Ursache ist das sozusagen die neurobiologischen Veränderungen im Gehirn, die assoziert sind mit einer ADHD und diejenigen, die als Assoziiert sind mit der Depression zum Teil überlappen.

00:15:52: Das sieht man unter anderem auch daran, dass gewisse Medikamente für eine ADHD-Erkrankung einen positiven Effekt haben, auch für eine Depression einen positifen Effekt.

00:16:06: Das sind zum Teil die gleichen, nicht nur und nicht hundertprozentig aber zum Teil sind das die gleichen Medikamente, die auch die gleichen Systeme im Gehirn, die gleichen Neurotransmittersysteme im gehirn ansprechen.

00:16:26: Also da gibt es eine gewisse sogenannte neurobiologische Überlappung dieser beiden Erkrankungen.

00:16:32: kann man aber noch nicht von Korrelation sprechen.

00:16:35: Das ist zu viel gesagt.

00:16:36: Wir sprechen von Komorbidität, das heißt quasi Co heisst zusammen und Mobilität heisst die Krankheit oder das Krankheitsgeschehen und die Komorbität bezeichnet sozusagen den Zustand dass eben zwei Erkrankungen häufiger miteinander vorkommen.

00:17:00: Es gibt aber auch einen psychologischen Effekt oder den psychologischem Mechanismus.

00:17:06: Nämlich, ich sage jetzt mal Sie haben eine schwere ADHD oder ein schweres ADHS wie man auf Deutsch sagt dann führt das ja dazu wenn es schwer ausgeprägt ist dass sie sekundäre Krankheitsnachteile erleben.

00:17:29: also sie haben zum Beispiel Schwierigkeiten sich zu konzentrieren Sie haben Auffälligkeiten im Verhalten zum Teil.

00:17:37: Und das kann z.B.

00:17:38: dazu führen, dass sie in der Schule Schwierigkeiten kriegen.

00:17:41: Das hat nichts mit Intelligenz oder sowas zu tun sondern halt mit der Konzentrationsfähigkeit.

00:17:48: und wenn die Konzentationsfähigkeit nicht genügt um sozusagen die schulischen Leistungen zu erbringen dann kann es so zuführen, dass sich in der Schule scheitern oder einfach Erwartungen erfüllen, die an sie gestellt werden oder an sich selbst stellen.

00:18:06: Und das kann reaktiv dazu führen, dass man ein depressives Symptom entwickelt.

00:18:12: Also sozusagen der Reaktive zusammenhangt aus der Symptomatik und aus den Nachteilen des HTHS eine depressive Reaktion oder depressive Entwicklung entsteht.

00:18:35: Das ist ja oft bei Frauen der Fall, die mit einer Angststörung kommen oder einer Depression und merkt das ursprünglich eigentlich eine ADHS vorliegt, dass sich die anderen Beschwerden und Erkrankungen daraus mittentwickelt

00:18:51: haben.

00:18:51: Ja ob das bei Frauen wirklich häufiger ist kann ich ihn nicht bestätigen, das weiß ich ehrlich gesagt nicht.

00:18:57: Es ist dort auffällig, dass viele mit glauben sie hätten eine Angststörung und man erkennt dann das eigentlich eine ADHS Vorlage.

00:19:07: Und das erleben davon, das unerkannte Erleben davon zu Angstproblemen geführt haben

00:19:14: weil

00:19:14: es einfach weniger...

00:19:15: Das ist eine mögliche Interpretation.

00:19:18: ob das wirklich so ist würde ich jetzt mal offen lassen.

00:19:26: aber Wenn Sie jetzt auf Frauen zu sprechen kommen, es ist schon so, dass in epidemiologischen Studien Frauen häufiger depressive Erkrankungen haben.

00:19:36: Das weiß man.

00:19:40: Das hat aber auch damit zu tun, dass die Symptomatik einer Depression etwas ... Die depressive Herkrankung wurde ursprünglich stärker definiert an den Symptomaten an der Symptomatik, wie es sich bei Frauen äußert.

00:20:01: Das ist wahrscheinlich etwas verfälscht, etwas das Bild.

00:20:05: vermutlich ist es so dass Männer ebenfalls oder etwa gleich häufig unter Depressionen leiden.

00:20:14: deswegen wurde auch vor einigen Jahren den Begriff Male Depression geprägt.

00:20:23: Einfach weil man so gesagt hat, zum depressiven Symptom gehören eben Symptome die sozusagen der klassischen Definition einer Depression gar nicht berücksichtigt wird wie z.B.

00:20:41: aggressives Verhalten oder auch reaktive Veränderungen Missbrauch von Suchtmitteln, Alkohol, Drogen

00:20:54: usw.,

00:20:56: kann bei gewissen Patienten und Patientinnen auch eine Auswirkung einer zugrunde liegenden Depression sein.

00:21:09: Und ob jetzt da sozusagen vorgängig eine ADHS-Erkrankung ursächlich vorhanden war?

00:21:19: kann sein, muss aber nicht.

00:21:21: Es spielt ja irgendwann auch keine große Rolle mehr weil man ohnehin einfach in einer schwierigen Situation steckt und Hilfe braucht?

00:21:29: Ja natürlich genau.

00:21:31: oder jetzt?

00:21:32: wenn sie jetzt ein Patienten oder eine Patientin kriegen in die Sprechstunde die Symptome einer ADHS und Symptom einer Depression hat bei einer schweren dann behandeln wir zuerst mal die schwere Depression.

00:21:47: Das hat praktisch wie Vorrang, warum?

00:21:51: Weil man praktisch wieder davon ausgeht die Depression hat sich auf die ADHS draufgepropft.

00:21:58: Ist praktisch überlagert sozusagen oder ja und ist auch sehr schwierig.

00:22:11: übrigens auch sehr Schwierig ist eine adhs Symptomatik während einer Depression zu diagnostizieren weil die Depression in einer stärkeren Ausprägung ebenfalls Symptome produziert oder generiert, die ähnlich sind wie diejenigen einer ADHS-Erkrankungen.

00:22:37: Sie haben sich ja geoutet sozusagen dass jemand der eben auch von diesen beiden Erkranklungen betroffen war.

00:22:43: Wie war es bei Ihnen wenn ich fragen

00:22:45: darf?

00:22:46: Vielseitig?

00:22:48: erstens hatte ich schon vor etwas mehr als zehn Jahren eine ADHS-Abklärung, aber die war wirklich äußerst grob.

00:22:58: Unbrauchbar und was ich immer wieder hatte waren krasse Verstimmungen.

00:23:05: Aber die habe ich nie als depressiv empfunden weil ein großer Teil meines Wesens aus Frohnatur besteht und das dann auch wieder weg ging und erst... also es dann richtig abwärts ging vor zwei Jahren.

00:23:22: Depression ist, wenn daneben nichts mehr Platz hat.

00:23:26: Erst dann wurde mir klar, dass mich das schon mein ganzes Leben begleitet und dass ich einfach untereinander mit Alkohol dagegen angetreten bin.

00:23:37: aber eigentlich war ich allein Und in der Klinik dann In der ATK wurde sowohl die Abklärung gemacht Ich habe da mit wehenden Fahnen bestanden Ich habe dann einen Stimulanz bekommen, das sofort sehr gut angeschlagen hat und auch ein Antidepressivum was ebenfalls Bestens gewirkt hat.

00:24:02: Also ich kann es so nicht bestätigen dass es nicht klar war was hier vorliegt.

00:24:12: Für mich ist das stark zusammengehörig ADHS und Depression.

00:24:18: Deswegen auch meine Frage Kann man eigentlich nur ADHS haben?

00:24:22: Geht

00:24:22: das?

00:24:22: Ja klar kann man das.

00:24:25: Ohne die Gefahr abzurutschen, es hat ja auch mit äußeren Umständen zu tun.

00:24:30: Also diese reaktive depressive Entwicklung, die man häufig sieht bei Menschen mit der ADHS, eben das wird sozusagen die psychologische Reaktion auf Lebensumstände, dann ungünstig sind, sie verlieren den Job oder kommen in der Schule nicht voran.

00:25:00: Arbeitslosigkeit und so weiter können Depressionen auslösen.

00:25:06: aber das muss nicht.

00:25:07: es gibt auch viele Personen mit ADHS die vollständig kompensiert sind und sehr erfolgreich sind.

00:25:17: Es ist auch so, ADHS.

00:25:19: Entweder hat man ADHS oder man hat es nicht.

00:25:24: Das ist ja ein Spektrum von überhaupt kein ADHS bis ein bisschen ADHS, bis etwas mehr, bis sehr viel, bis extremviel, bis wahnsinnig viel.

00:25:35: Ich

00:25:37: versuche mich gerade einzuordnen aber... Gut

00:25:40: das müssen Sie selber tun!

00:25:42: Kann ich Kennt sich zu wenig um das einzuordenen?

00:25:47: Ein bisschen ADHS sieht man auch bei erfolgreichen Menschen.

00:25:55: Man muss sich ja fragen, warum hat in der Evolution diese Besonderheit ADHS überhaupt erhalten?

00:26:07: Was ist Ihre Antwort?

00:26:09: Es muss gewisse Vorteile gegeben haben wenn jemand ADHS hat.

00:26:14: ein bisschen.

00:26:17: Zum Beispiel kann es sein, dass jemand der oder die ADHS hat.

00:26:23: Vielleicht kreativer ist ... Aber es ist durchaus denkbar, dass sozusagen das Symptomenspektrum von ADHS gewisse Vorteile haben.

00:26:37: Wieso dann von Störungen sprechen?

00:26:39: Ja eben!

00:26:41: Und aber die Störung und sozusagen Eigenschaft Dieser Übergang ist fließend.

00:26:50: Es hat ja auch stark mit unserer Lebensweise zu tun, die Schule erlaubt in ihrer ganzen Natur, nämlich lernen und anwenden und aufpassen und stillsitzen.

00:27:02: Erlaubt eigentlich keine Konzentrationsstörung einem für sich genauso wenig.

00:27:09: Aber wenn die anders gestaltet wären, dann würde dieser Zustand auch nicht unbedingt als Störung wahrgenommen, denke ich.

00:27:18: Ja aber wir leben nun mal in dieser Gesellschaft, in der wir leben und wenn sich ein Schüler durch dieses sozusagen durch das Zusammentreffen dieser Symptomatik Schulsystems nicht entfalten kann, dann ist das für diesen betroffenen Schüler ein Riesenproblem.

00:27:48: Keine Frage?

00:27:49: Keine Fragen!

00:27:51: Das sehen wir gleich.

00:27:53: Diese Haltung kommt vor allem von Leuten die wahrscheinlich nicht so wahnsinnig viel verstehen von dieser Erkrankung, diese Erkankungen irgendwo sozusagen Nicht ernst nehmen oder nicht ihnen den Krankheitswert absprechen.

00:28:15: Das ist auch eine Form von Diskriminierung und Stigmatisierung.

00:28:20: Der jammert nur, soll sich ein bisschen zusammennehmen.

00:28:23: Oder es ist ja nicht krank sondern einfach eine Normvariante.

00:28:27: Ich meine wenn jemand in der Schule scheitert... Obwohl eigentlich der Wunsch und die Intelligenz und alles vorhanden wäre, aber einfach aufgrund dieser behandelbaren Konzentrationsdefizite das nicht entfalten kann.

00:28:47: Also sozusagen diese Freiheitsgrade, die die Person eigentlich hätte gar in Anspruch nehmen kann, dann sprechen wir eben schon auch von Krankheit.

00:28:59: Weil das löst Leiden aus und Benachteiligung aus.

00:29:04: Das löst ganz viele negative Dinge aus die für das ganze Leben schlussendlich beeinflussend sind und zwar negativ beeinflusst.

00:29:14: Ist es denn so dass wenn man Depressionsgeschichten rückwärts aufrollt, dass man bei Schulproblemen landet?

00:29:21: Nein nicht umwerfen kann aber muss nicht.

00:29:23: Aber

00:29:24: ist es häufig

00:29:26: Wenn man sozusagen beim Gespräch, wenn man versucht quasi das Leben rückwärts zu verstehen mit einem Patientin und man kommt auf ADHS als Grunderkrankung.

00:29:48: Dann ist es schon so dass sie zum Teil sehr tragische traurige Geschichten, die sehr viel Leiden verursacht haben eben durch diese Scheitern in der Schule.

00:30:04: Ja?

00:30:05: Aber es gibt Depressionen, die haben als Vorgeschichte eine ADHS und es gibt eine Depression, die hat man als Vor-Geschichte keine ADHS.

00:30:15: Das gibt's!

00:30:16: Wie ist das verteilt in der Häufigkeit?

00:30:19: Also ... das kann ich Ihnen so aus dem ... Ich glaube auch nicht, dass es da ganz klare Daten gibt dazu.

00:30:30: Aber die Mehrzahl von Depressionen, die sie nicht mit einer ADHS verknüpft... Also das ist nicht so, dass ich sage jetzt mal fünfzig Prozent von depressiven Erkrankungen aus einer ADHS hervorgegangen sind.

00:30:44: Das ist sicher viel zu viel.

00:30:46: Wie groß ist meine Chance mit der ADHS depressiv zu werden?

00:30:50: Die ist sicher höher als bei Menschen, die keine ADHS haben!

00:30:57: Was genau?

00:30:59: Also da sind wir in einem sehr schwierigen Feld.

00:31:05: Es ist insofern auch schwierig, als die Depressionen haben unterschiedliche Schwere gerade.

00:31:11: Depressionen sind sehr häufig im Leben also von Menschen.

00:31:15: man spricht von... also wenn sie heute alle die gesamte Bevölkerung der Schweiz untersuchen würden auf einem Stichtag, dann kämen sie ungefähr auf fünf Prozent von Menschen, die heute eine an sich nach schulmedizinischen Kriterien behandlungsbedürftige Depressionheiten.

00:31:39: Also fünf Prozent, das ist sehr viel.

00:31:45: Diese Depressionen sind ja in der Regel das phasische Erkrankungen?

00:31:52: Das heißt die fangen irgendwann mal an, haben einen Maximum und hören irgendwann auch wieder einmal auf.

00:31:59: Manche chronifizieren ein Teil läuft phasisch ein anderer Teil chronifiziert.

00:32:06: es gibt der krankungen die kommen einmal im leben andere kommen immer wieder mal hängt aber sehr stark davon ab wie die Behandlung ist von diesen Phasen oder von dieser von dieser krankung also eine Ein sehr heterogenes Bild, also eine einfache Antwort auf diese Frage zu geben ist gar nicht möglich.

00:32:31: Ab wann ist deine Depression behandelungsbedürftig wie Sie es genannt haben?

00:32:37: Da gibt es schon objektive Kriterien.

00:32:39: die basieren auf der Symptomatik der betroffenen Personen definiert sich zu einem sehr großen Teil aus den Aussagen der Person, aber auch als Fremdbeobachtungen.

00:32:56: Dass man sieht wie verhält sich die Person was wird geschildert, wie sie sich verhält und so weiter.

00:33:02: Also man redet auf der einen Seite von Fremdsbeobachtenen Aber auch auf subjektiven Berichten der betroffenen Personen.

00:33:11: Und wo die sozusagen, wo praktisch die normal psychologische Schwankung die wir alle kennen, auch Menschen, die nie eine Depression haben.

00:33:22: Den geht es einmal besser und einmal ein bisschen schlechter.

00:33:25: Wo fängt sozusagen der Krankheitswert an?

00:33:27: Der ist nicht ganz so einfach zu definieren.

00:33:31: Das ist häufig auch eine facherärztliche Beurteilung.

00:33:35: aber das Zeitkriterium ist ein sehr wichtiges.

00:33:37: also wenn einer Person über längere Zeit, über Wochen niedergeschlagen ist kommt er einfach nicht aus diesem Loch heraus immer negativ.

00:33:50: die Symptomatik ist vorhanden über Wochen, nicht einfach nur über ein paar Stunden oder einen Tag oder zwei.

00:34:00: Dann muss man anfangen zu überlegen, er handelt es sich hier anfalls um eine klinisch relevante oder um eine diagnostizierbare Depression?

00:34:11: Und wie bringe ich das der betroffenen Personen bei?

00:34:15: Also was müssen Sie beibringen?

00:34:18: dass sie in einem behandelungsbedürftigen Zustand ist.

00:34:22: Jetzt als zum Beispiel das Angehörige?

00:34:24: Ja, zum Beispiel auch das Angehörige.

00:34:26: In dem Sie sagen ja ich habe den Eindruck du hast dich verändert.

00:34:29: Ich finde du bist irgendwie antriebslos.

00:34:32: Du hast seit längerer Zeit eine niedergeschlagene Stimmung.

00:34:40: Du verhältst dich auch im sozialen Kontakt anders hast keine Freude an Dingen, die dich vorher gefreut haben.

00:34:51: Du bist wenig unternehmenslustig, hast weniger Initiative ... ziehst dich

00:34:56: zurück.".

00:34:57: Ich sehe man vermeidet das Wort Depression?

00:35:00: Nein!

00:35:00: Das ist sozusagen die Beschreibung der Bestandteile, die dann schlussendlich als Gesamtes eine Depression ausmachen.

00:35:08: Darf ich sagen, ich hab das Gefühl du bist depressive?

00:35:11: Sie müssen das sogar sagen.

00:35:12: Richtig.

00:35:13: Warum muss

00:35:13: ich?

00:35:15: Man kann das schon benennen, man darf dem auch einen Begriff geben.

00:35:23: Ich glaube ... Oder wenn Sie jetzt als angehöriges Gefühl haben, Ihre Bezugsperson hat eine depressive Symptomatik und dann haben sie diese Symptome.

00:35:35: Part davon habe ich vorher aufgelistet.

00:35:38: Dann wäre zum Beispiel eine Möglichkeit zu sagen, wo ich hab das Gefühl, dass ist nicht mehr normal, gesund, wie sich sozusagen dein psychischer Zustand entwickelt hat.

00:35:52: Solche Ersagen kommen ja gemeinhin sehr gut an die Leute.

00:35:59: Nein wirklich nicht oder?

00:36:00: Es ist ein ganz altes

00:36:02: Bild.

00:36:02: Das glaube ich nicht.

00:36:03: Das ist eine Frage, wie Sie das formulieren.

00:36:07: Wenn Sie das als Vorwurf formulieren dann kommt es vielleicht schlechter.

00:36:10: Natürlich aber ich glaube wenn man es überhaupt schon anspricht.

00:36:13: meine Erfahrung viele Menschen wollen nichts davon hören.

00:36:21: Ja, vielleicht?

00:36:22: Deswegen interessiert es mich warum Sie sagen man muss es sogar aussprechen das Wort Depressionen und dass man jetzt ansprechen muss aus Zwischenmenschlicher Pflicht.

00:36:33: das sehe ich auch so.

00:36:34: aber warum muss ich den Fachbegriff benutzen?

00:36:37: oder habe ich sie als verstanden?

00:36:39: Ich glaube die können ihre Angehörigen betroffenen Personen helfen, indem sie ihr sagen, ich glaube wirklich das geht in Richtung Krankheit.

00:36:49: Geht doch mal zum Arzt!

00:36:50: Geht auch mal zum Hausarzt so ein Beispiel.

00:36:54: Ich glaube was nicht gut ankommt, du sollst zu Psychiater gehen.

00:36:58: Das ist wahrscheinlich eher etwas was nicht so gut ankommt.

00:37:04: als erstes aber indem man sagt, ich bin besorgt und finde einen Zustand löse bei mir Sorgen Ja, bis aus.

00:37:16: Ich glaube das handelt sich um eine Erkrankung zum Beispiel, eine Depression oder am ehesten eine Depression.

00:37:24: vielleicht wäre es gut wenn du das mal mit dem Hausarzt besprichst was da dahinter steckt.

00:37:30: also ich mein sagen sie ist Sie haben es offenbar anders erlebt.

00:37:36: Wie war's denn bei Ihnen?

00:37:39: Es gab ja verschiedene Begegnungen, in denen ich warnende Worte geäußert habe und ich behaupte, dass ich sie minimal verurteilend vorgetragen habe.

00:37:54: Ich meine nicht aber das ist sehr subjektiv.

00:37:58: Ich hab einfach den Eindruck gemeinhin, dass Menschen wenn man sich auf mögliche psychische Probleme hinweist, dass sie sehr ablehnend reagieren.

00:38:08: Ja, aber es kann auch entlasten.

00:38:10: Es kann ja auch entlassen sein in dem sich mache ich nachher ein Beispiel.

00:38:15: Es ist kann ja entlastend sein wenn sie sagen Ich mach mir Sorgen um dich.

00:38:25: Ich glaube es handelt sich um eine Erkrankung.

00:38:29: Ich habe gelesen man kann solche Erkranken gut behandeln die Kammern wir gut behandlen.

00:38:35: es gibt heute sehr gute Behandlungsmöglichkeiten das stimmt Psychotherapie aber auch gute Medikamente.

00:38:44: Ich würde dir empfehlen, diese Chance mal wahrzunehmen und das mal mit einem Arzt oder einer Ärztin zu

00:38:52: besprechen.".

00:38:54: Entlastet das den Absender- oder den Empfänger der Beide?

00:39:00: Das ist eine gute Frage!

00:39:02: Vielleicht beide, aber das schadet ja nichts.

00:39:06: Also wenn Sie jetzt die depressive Person ansprechen und sagen du ich glaube es ist eine Erkrankung, ich glaube das musst du... kann man vielleicht behandeln.

00:39:16: Dann, ich kann das ja auch entlasten sein und sagen, ahja endlich sagt mir das jemand oder Ich fühle mich so schlecht.

00:39:23: aber wenn das jetzt eine Erkrankung ist dann ist es ja etwas.

00:39:28: Das bin ja da nicht unbedingt ich sondern der die Erkrankungen Die sozusagen diese Symptome verursacht.

00:39:37: also ich hatte Immer wieder auch Diskussionen mit Berufskollegen was adäquater ist, zu sagen eine Person ist depressiv oder eine Person hat eine Depression.

00:39:53: Das ist nicht das Gleiche und ich bin persönlich sehr überzeugt dass man das Konzept verfolgen muss sagen die Person hat einer Depression dann ist es etwas was irgendwie fremd zu dieser Person dazukommt Und im Idealfall kann man das behandeln, dann ist das wieder weg.

00:40:16: Wenn es aber quasi Teil ist der Person und dann ist er so verwoben.

00:40:20: Dann kommen diese schwierigen Vermischungen von Gefühlen ... Ja, das bin ja ich!

00:40:32: Ich bin quasi schuld, dass ich diese Symptome habe.

00:40:37: Wir gehen davon aus eine Depression, eine Erkrankung wie ein ... Ich sage jetzt mal, eine Grippe oder ein Tumor oder einen Knochenbruch.

00:40:47: Der muss nicht zur Person gehören.

00:40:49: Das ist quasi etwas Zusätzliches und das zusätzliche wollen wir behandeln, sodass er dann wieder weg

00:40:55: ist.".

00:40:56: Das fällt schon wesentlich leicht zu einem Knochenbruch zu abstrahieren als der Artikelgedankten.

00:41:01: Richtig, aber ich sehe ehrlich gesagt nicht ein, warum man eine Depression nicht auch abstrahiren kann.

00:41:09: wenn man einen Tumor zum Beispiel abstrahiern kann natürlich ist es nicht einsteins das gleiche selbstverständlich und selbstverständliche betrifft und das macht eben schwierig.

00:41:22: das macht die psychischen Erkrankungen schwierig.

00:41:25: die psychischen Erkrankungen betreffen die Person viel tiefer irgendwo, oder?

00:41:31: Aber ich glaube wenn es gelingt das irgendwo etwas zu distanzieren von der Persönlichkeit dann ist es auch einfacher was zu behandeln.

00:41:41: Oder wenn Sie sagen schwere Depressionen geht zum Beispiel ein Heer mit einem Verlust des Selbstwertgefühls.

00:41:52: Als die betroffene Person hat das Gefühl Ich bin nichts wert.

00:41:56: Wie wollen Sie das behandeln?

00:41:57: Wie wollen sie das korrigieren, wenn die betroffene personen, depressive Personen, wenn diese irgendwie realisierten.

00:42:05: Das ist eigentlich ein Symptom einer Erkrankung dieser Verluste selbstwärts.

00:42:13: und wenn die Erkrankung behandelt ist dann geht auch dieses Selbstwertverlustgefühl weg.

00:42:21: Es bedingt natürlich dass damals ein guter stabiler Selbstwert gewesen war.

00:42:25: vorgängig

00:42:28: Ja, von dem muss man ausgehen.

00:42:29: Das

00:42:29: ist ja nicht zwingend der Fall.

00:42:31: Meinerwahl jahrelang miserabel, muss ich sagen.

00:42:35: Ja schon!

00:42:37: Aber während der Depression wäre auch noch schlechter wahrscheinlich?

00:42:43: Offensichtlich ist Depression das höchste Individuelles und die einen haben Libido-Einschränkungen, die anderen nicht.

00:42:51: Das mit dem Selbstwert war nicht mein Ding weil ich zuvor wirklich stark dran gearbeitet habe, es war vielmehr einfach ein Gefühl von abwärts und dunkel.

00:43:07: Und außerhalb meiner Kontrolle.

00:43:09: Ja aber wenn sie einen Grad von Depressivität unterschritten haben also wenn sie noch wirklich sehr sehr schlecht geht dann sind Sie auch auf solche Gespräche nicht mehr können Sie nicht mehr reagieren auf solche Speiche.

00:43:31: Es ist auch zum Beispiel seine alte Diskussion, was wirkt besser psychotherapier oder Medikamente?

00:43:39: Wir sagen beides zusammenwirkt die Kombination.

00:43:43: aber wenn sie jetzt einen Patienten haben der sehr schwer depressiv ist dann kann der Patient in seiner schweren Depression auf Psychotherapie gar nicht reagieren, weil es gar nicht ankommt.

00:44:05: Sie können als Therapeut den Patienten gar nicht erreichen und deswegen ist zum Beispiel in einer solchen Situation die Sie erchildern die medikamentöse Grundbehandlung sozusagen die Basis damit sie überhaupt eine Möglichkeit haben psychotherapeutisch, ich sage jetzt mal emotionale oder auch gedankliche Fehlentwicklungen zu bearbeiten.

00:44:38: Also Psychotherapie ist ja nichts anderes als eine Bearbeitung mit der Allfallkorrektur von gedanklichen kognitiven oder emotionalen Fehl-Entwicklungen.

00:44:52: Was macht das eigentlich mit Ihnen, wenn Sie so viel seelische Schwere um sich haben?

00:44:58: Ja gut.

00:44:58: Ich mache das schon sehr lange.

00:45:01: Ich werde es auch häufig gefragt ist... Ja!

00:45:06: Wir Therapeuten reflektieren ja über das was uns da begegnet und was wir erleben in einer Behandlung eines zum Beispiel einen depressiven Personen ... begeben uns auch in Gespräche mit anderen Fachpersonen, wo wir bestimmte subjektive Empfindungen... die wir haben als Therapeut im Begegnung mit den Patienten.

00:45:44: Die besprechen wir nennen der Supervision.

00:45:46: also wir gehen zu einem Kollegen und sagen schauen mal jetzt habe ich den Patienten gehabt und das hab' mich extrem berührt, zum Beispiel wurde ich selber auch irgendwie traurig oder betroffen.

00:45:59: Das lässt mich nicht mehr los.

00:46:03: Das kann passieren aber das kann man wieder quasi reduzieren indem man das praktisch in einer Supervision reflektiert.

00:46:14: Man lernt dass natürlich eine gewisse professionelle Distanziertheit ist schon anders als wenn sie depressive Symptomatiker leben in ihrem privaten Umfeld, als wenn sie eine depressive Symptomatik erleben im beruflichen Kontext.

00:46:38: Das ja letztlich ist das unser Beruf.

00:46:40: Das muss man schon sagen.

00:46:40: ich bin von acht bis abends um sechs bin ich Psychiato und nachher hoffentlich nicht mehr Manchmal schon, aber nachher hoffentlich nicht mehr.

00:46:51: Kann der Psychiater oder Nicht-Psychiater sein?

00:46:53: Geht das überhaupt?

00:46:54: Ja, das ist natürlich geht das.

00:46:56: Also umgeben von Psychen?

00:46:58: Ja es schon!

00:46:59: Natürlich geht das.

00:47:00: und wenn man das nicht kann dann glaube ich ist man im Verhaltschenbüro auf.

00:47:06: Aber wenn Sie ihn im Tram setzen passiert es Ihnen dass sie denken der oder die ist depressiv?

00:47:14: Oder ist das schon zu defiliert?

00:47:17: Doch natürlich macht man sich Gedanken, klar.

00:47:20: Manchmal auch nicht.

00:47:25: Aber es ist nicht so, dass wenn ich jetzt als Psychiater durch die Stadt laufe oder im Tramsitz oder irgendwie mit meinem Familie oder Freund zusammensitze, dass ich mir da ständig irgendwelche diagnostischen Überlegungen mache.

00:47:48: Also bin ich weit entfernt davon.

00:47:50: Ich habe

00:47:50: ein romantisches Bild von Ihrem Berufsstand.

00:47:53: Ja, viel leichter

00:47:55: und genau.

00:47:56: Also ich glaube da muss man auch irgendwann mal halt einfach dann... Aber es ist schon so!

00:48:04: Es gibt Menschen mit einer Symptomatik kommen die mich mehr betreffen Und solche, die mich weniger betreuen.

00:48:13: Die ich irgendwie etwas distanzierter damit umgehen kann.

00:48:16: Was

00:48:17: betrifft sie am ehesten?

00:48:19: Das sind natürlich Dinge, die vielleicht mit einem persönlich etwas zu tun haben.

00:48:26: Zum Beispiel auch wenn das Ding etwas mit den Kindern ist oder so.

00:48:30: Sind das Dinge, wo emotional näher stehen als wenn es andere Themen sind.

00:48:38: Das schon so!

00:48:40: Wenn Sie einen Aufruf formulieren könnten an Menschen, die niedergeschlagen sind und sich fragen ob sie vielleicht depressiv sind.

00:48:48: Was würden Sie denn sagen oder mitteilen wollen?

00:48:52: Ich würde also ich glaube dass das Wichtigste wäre ich sagen versuch versuchen Sie wenn es geht darüber zu reden.

00:49:03: was ist glaube ich der erste Schritt überhaupt?

00:49:09: Bekannte oder Freunde der Familienmitglieder haben, wo es möglich ist, dass sie über solche Dinge sprechen.

00:49:15: Dann sind Sie in einer wahrscheinlich glücklichen, privilegierten Lage?

00:49:20: Dann ist das gut!

00:49:21: Das ist eine Möglichkeit.

00:49:23: Ist es denn nicht so häufig möglich?

00:49:25: sollte eigentlich für alle möglich sein?

00:49:27: Ja aber ab einem gewissen Grad ist es dann eben nicht mehr so einfach, weil jetzt kommt diese Stigmatisierung ins Spiel.

00:49:35: Weil man schämt sich ja zum Teil auch über diese Symptome Aber diese psychischen Symptome sind ja mit Scham behaftet auch.

00:49:45: Warum eigentlich?

00:49:48: Weil es, ich glaube das ist der Punkt, subjektiv ganz schwierig zu unterscheiden ist.

00:49:55: bin jetzt ich dass er da irgendwie nicht richtig funktioniert dich als Person?

00:50:01: oder ist jetzt über mich eine Erkrankung gekommen die mich quasi dazu macht dass ich das nicht mehr kann.

00:50:12: Und das ist wieder der Punkt, den wir vorgesprochen haben.

00:50:15: Ich glaube es fällt den Betroffenen leichter wenn sie das Konzept im Kopf haben.

00:50:22: Das ist etwas was über mich quasi wie gestülpt wurde.

00:50:26: Jetzt bin ich ich, der keinen Kontakt verträgt, der sexuell desinteressiert ist, der sich nicht konzentrieren kann sondern das ist die Erkrankung und wenn die behandelt schält sich sozusagen, dass ich oder die Person wieder heraus.

00:50:46: Das waren jetzt

00:50:47: drei sehr starke Ich-Beispiele eigentlich, oder?

00:50:51: Also wenn ich keine Lust auf Sex habe dann hab ich keine lust auf Sex.

00:50:57: und das Wissen...das ist die Krankheit, die mir diese Lust mindert.

00:51:03: Das möchte ich nochmal sagen.

00:51:04: Das Wissen, dass diese Krankheit mir die Lust mindern hilft ja dann eigentlich nur abstrakt, oder?

00:51:13: Das ist ja sehr persönlich alles deswegen.

00:51:16: Ja aber es hilft vielleicht ihrer Angehörigen per ihr Partnerin oder ihrem Partner wenn sie sagen hergut ich bin jetzt einfach sozusagen wie blockiert.

00:51:27: aber das ist nicht weil ich nicht will sondern weil ich mich kann.

00:51:31: Ist nicht das gleiche!

00:51:34: Nicht weil ich dich nicht mehr weil du mich nicht interessierst Ich hab gar keine Kraft mehr, mich für dich zu interessieren.

00:51:43: Weil ich so mit mir selber beschäftigt

00:51:45: bin.".

00:51:46: Also ist Kommunikation das beste Mitglied gegen das stigma?

00:51:49: Kommunikacion, KommunikATION, Kommunika-tion.

00:51:54: Ja!

00:51:54: Darüber reden ... Das ist wirklich... Ich glaub', dass es der erste Schritt ist und sobald Sie darüber reden, die Erfahrung machen wir immer wieder wenn sie anfangen darüber zu reden dann ist auch das reine Umstand Darüber reden, des darüber Redens ist entlastend.

00:52:12: Würden Sie soweit gehen und ich frage hinsichtlich der Schlagzeile für die Website?

00:52:17: Würden sie soweits gehen zu sagen sobald Sie reden setzt die Heilung ein.

00:52:24: Kann man das so sagen?

00:52:26: Das kann man sagen ja, glaube ich.

00:52:29: Ich finde das eigentlich noch eine gute Slogan.

00:52:34: aber Sie müssen zuerst reden können.

00:52:36: es kann.

00:52:37: häufig ist es so dass man nicht reden kann weil es schon quasi zu weit vorgeschritten ist.

00:52:44: Was mache ich dann?

00:52:46: Dann reden Sie vielleicht ein bisschen...

00:52:49: Oder ich schreibe mal!

00:52:50: Oder sie schreiben ja,

00:52:53: oder...?

00:52:53: Ich rede mir nur mit mir selber.

00:52:55: das hilft ja auch.

00:52:56: bevor man das an Menschen richtet kann man sich in den Wald hineinsprechen.

00:53:02: deswegen haben wir ja auch eine in der Schweiz.

00:53:06: zum Glück.

00:53:06: zum großen glück haben wir eine sehr gute enge und qualitativ hochstehende Versorgung, also zur Behandlung von psychischen Erkrankungen.

00:53:17: Wir haben sehr viele niedergelassene Psychiatern, Psychotherapeuten, wir haben viele psychologische Psychotherapeuten, gute Kliniken, gute Ambulatoren.

00:53:28: Sie haben ein sehr gutes, qualitiv hochstehnendes Versorgungsnetz.

00:53:33: Im internationalen Vergleich ist es in der Schweiz wahrscheinlich Weltspitze Und diese Möglichkeit und auch sogar die Hausärzte, also die Hausarztinnen und Hausärzten spielen eine extrem wichtige Rolle.

00:53:50: Vor allem in der Anfangsphase an der Behandlung einer psychischen Erkrankung.

00:53:55: Ich bekam ein unpassendes Medikament, den einer viel zu hohen Dosis.

00:53:59: Das kann sein ja das ist gut möglich Aber die Auslage bestätigt Ihre... Ja,

00:54:05: natürlich.

00:54:06: Ich hatte jetzt hier einfach Pech aber das soll ja nicht heißen Pass vor dem Hausarzt auf sondern viel mehr Such möglichst bald die Fachperson auf.

00:54:17: Ja, aber viele wollen das gar nicht.

00:54:21: Häufig ist der Weg über die Hausratspraxis und wenn das irgendwie gut funktioniert dann hilft der Hausarst der betroffenen Person.

00:54:31: Vielleicht wäre es gut, wenn sie mal zu einem Facharzt gehen würden.

00:54:38: Ich bekam nicht ein unpassendes Medikament sondern eine falsche

00:54:42: Dosierung?

00:54:43: Nein!

00:54:44: Das auch die war zu hoch.

00:54:45: aber man hat mir gesagt ich müsste das am Morgen nehmen.

00:54:48: dabei wär's etwas für abends gewesen.

00:54:51: Es war

00:54:52: schrecklich.

00:54:54: Sedieren also eher Schlaf anstoßend...

00:54:58: Es war belämmern in einer unheimlichen Art und Weise Aber das ist egal.

00:55:02: Ja, der Depressionen, viele Depressionen gehen auch mit Schlafstörungen anheben – ganz viel!

00:55:08: Es

00:55:09: ist ein gutes Erkennungssymptom.

00:55:12: also wenn jemand einen stark gestörten Schlaf hat dann sind es eigentlich höchste Eisen waren.

00:55:17: Die großen Studien die sagen fast alle haben Schlaf- störungen, die schwere Depressionen haben fast hundert Prozent und Medikamente gegen Depression.

00:55:29: Es gibt solche, die haben auch einen positiven Effekt auf den Schlaf.

00:55:33: Die sind etwas sedierend, machen etwas Müde und helfen auch zum Einschlafen.

00:55:38: Und das ist vor allem bei Leuten, die unter den Schlafsstörungen leiden häufig sehr schnell.

00:55:48: quasi entspannen oder quasi symptomlindernd trägt zu einer sehr schnellen Verbesserung der allgemeinen Situation.

00:56:00: Können Sie bestätigen?

00:56:01: Auch wenn man es am Morgen nimmt, ist das natürlich schlecht.

00:56:05: Dann schlafen sie schlecht und sind am Tag müde und nehmen nach einem Settieren des Medikamits.

00:56:10: Das war der Worstes!

00:56:11: Zum

00:56:11: Glück habe ich es schnell gemerkt.

00:56:14: Sie haben von dieser sehr guten Versorgung gesprochen, die ja gerade auch sie mittragen.

00:56:20: Lieber Herr Seifried, ich danke Ihnen ganz herzlich nicht nur für dieses Gespräch sondern auch den Diensten, den Sie tagtäglich verrichten zum Wohle von Betroffenen wie mir, dem es glücklicherweise dank Leuten wie Ihnen heute viel besser geht.

00:56:36: Vielen lieben Dank!

00:56:37: Danke vielmals und habe mich sehr gefreut mit Ihnen zu sprechen.

00:56:42: Gleich

00:56:42: Dankeschön.

00:56:45: Danke, dass Sie sich die Zeit genommen haben für diese Episode.

00:56:49: Als von ADHS-Betroffener lerne ich selber eine Menge bei diesen Gesprächen.

00:56:54: Danke darum auch an alle Mitwirkenden!

00:56:57: Bis zur nächsten Episode.

00:56:59: – Ihr Thomas Meyer.

Neuer Kommentar

Dein Name oder Pseudonym (wird öffentlich angezeigt)
Mindestens 10 Zeichen
Durch das Abschicken des Formulars stimmst du zu, dass der Wert unter "Name oder Pseudonym" gespeichert wird und öffentlich angezeigt werden kann. Wir speichern keine IP-Adressen oder andere personenbezogene Daten. Die Nutzung deines echten Namens ist freiwillig.